Willem C. Vis – International Commercial Arbitration Moot Court


Der Vis Moot Court in Wien wird vom Verein zur Veranstaltung und Förderung des Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot organisiert in Zusammenarbeit mit UNCITRAL (United Nations Commission on International Trade Law), renommierten Schiedsinstitutionen und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät in Wien. Schiedsrichter des Wettbewerbs sind Richter, Anwälte und Professoren aus der ganzen Welt. Ziel des Moot Courts ist es, das Studium von internationalem Zivil- und Handelsrecht und Streitschlichtung für Streitigkeiten im internationalen Business-Bereich durch die konkrete Anwendung eines Problems zu unterstützen.

Im Rahmen des über sechs Monate dauernden Wettbewerbs zum internationalen Kaufrecht und Schiedsverfahrensrecht müssen die Teilnehmer sehr gute Recherchekenntnisse, hervorragende Argumentationsfähigkeit, eine schnelle Auffassungsgabe sowie Teamfähigkeit beweisen. 

Die Studierenden erarbeiten zunächst gemeinsam komplexe englische Schriftsätze, die einer internationalen Jury vorgelegt werden. Im Anschluss daran liegt der Fokus auf der Präsentation ausgefeilter und auf den Punkt gebrachter Vorträge zu den wichtigsten rechtlichen Problemstellungen.

Probeverhandlungen, Übungen und vorbereitende Wettbewerbe zum Moot Court in Wien finden im Vorfeld regelmäßig in verschiedenen europäischen Städten statt. Eine Teilnahme am Vis Moot Court ist Studierenden erst nach Beendigung des Studiengangs am Europa-Institut möglich.


Vis Moot 2021: Saar-Jura-Studierende erfolgreich bei der Weltmeisterschaft der juristischen Fakultäten


Zum 18. Mal nahmen Studenten der Universität des Saarlandes unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Helmut Rüßmann (seit 10 Jahren emeritiert) am zum 28. Mal ausgetragenen jährlichen Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot teil, der am Gründonnerstag mit der Auszeichnung der besten Teams unter den 387 teilnehmenden Universitäten aus der ganzen Welt zu Ende ging. Die Studenten der Universität des Saarlandes wurden sowohl für ihre schriftlichen als auch für ihre mündlichen Leistungen im Mannschaftswettbewerb ausgezeichnet. In den mündlichen Verhandlungen erreichten sie die Ausscheidungsrunden, gewannen in der Runde der besten 64 und wurden in der Runde der besten 32 knapp geschlagen. Für ihren Beklagtenschriftsatz erhielten sie ein „Honourable Mention“, das nur den besten 20 Teams zuteilwird. 

Die erfolgreichen Studenten sind Bianca Böhme, Elinam De Souza, Mazin Ezzeldin, Norah Kibaka-Vibila, Max Köhl und Anna-Maria Klesen. Als Betreuer standen helfend zur Seite vor Ort Pieter Van Vaerenbergh (Europa-Institut) und aus der Ferne Eva Wingler (Referatsleiterin in der hessischen Finanzverwaltung und Lehrbeauftragte der Fakultät), Anna Marie Faymonville (Justitiarin, Köln) und Dr. Ben Köhler (Max-Planck-Institut, Hamburg). 

Der Konflikt betraf die Entwicklung eines Impfstoffs gegen COVID-19. Die Parteien aus verschiedenen Staaten hatten einen Vertrag über die Lieferung eines unter Patentschutz stehenden Virus Vektors zur Entwicklung eines Impfstoffs mit Lizenzüberlassung und Kooperationspflichten geschlossen und für den Erfolg der Entwicklung Herstellungs- und Liefervereinbarungen in bedeutendem Umfang getroffen. Kurz vor der Zulassung des erfolgreich entwickelten Impfstoffs machte ein Konkurrent gegenüber dem Verkäufer geltend, dass er eine ausschließliche Lizenz vom Patentinhaber habe, die auch COVID-19 erfasse. Als der Käufer davon erfuhr, sah er sich in seinen Entwicklungen bedroht und machte gegenüber dem Verkäufer in einem Schiedsverfahren unter der Internationalen Schweizerischen Schiedsordnung (Swiss Rules) geltend, dass die ihm gelieferten Virus Vektoren mangelhaft seien. Die Schiedsklage richtete sich zugleich gegen den Patentinhaber. Man stritt darüber, ob der Vertrag dem UN-Kaufrecht unterfalle (erste Streitfrage), und, wenn ja, ob die Mängelregelung des Art. 42 CISG greife (zweite Streitfrage).  

Um den Konflikt umfassend zu klären, beantragten der Verkäufer und der Patentinhaber, den Inhaber des den Käufer angeblich bedrohenden Lizenzrechts als weitere Partei zum Schiedsverfahren hinzuzuziehen. Dem widersprachen der Kläger (Käufer) und der Dritte (dritte Streitfrage). Die Beklagten wollten zudem eine etwa erforderliche Beweisaufnahme nur als Präsenzverhandlung durchführen lassen; der Kläger hielt in der gegebenen Pandemie auch eine virtuelle Verhandlung zur Beweisaufnahme für rechtlich möglich und tatsächlich geboten (vierte Streitfrage). 

Mit diesen vier Streitfragen mussten sich die Studenten seit Oktober 2020 zunächst schriftlich und später mündlich auseinandersetzen, wobei sie schriftlich sowohl die Klägerperspektive (Memoradum for Claimant) als auch in Antwort auf eine andere Universität die Beklagtenperspektive (Memorandum for Respondents) einzunehmen hatten. Und in den mündlichen Verhandlungen vor international hochkarätig besetzten Schiedsgerichten waren sie abwechselnd Kläger oder Beklagte. Es versteht sich von selbst, dass der Wettbewerb schriftlich wie mündlich in der Sprache der internationalen Wirtschaft stattfand: Englisch. 

Die Universität des Saarlandes nahm zur Vorbereitung der mündlichen Verhandlungen an verschiedenen (virtuellen) Pre-Moots in Stuttgart, Zenica, Hannover, New York, Moskau und Den Haag teil. Sie gewann in New York, wurde Vierte in Moskau und Dritte in Den Haag.  


 

Auch am 29. Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot wird die Universität des Saarlandes teilnehmen. Er wird hoffentlich wieder als Präsenzveranstaltung in Wien stattfinden. Welche Streitfragen aus einem grenzüberschreitenden Kaufgeschehen zu behandeln sein werden, ist noch nicht bekannt. Die prozessualen Fragen werden nach den Schiedsregeln des Asian International Arbitration Centre zu behandeln sein. 

Bewerbungen können schon jetzt an Professor Rüßmann gerichtet werden (helmut.ruessmann@uni-saarland.de), der auch über Microsoft Teams an der Universität des Saarlandes zu erreichen ist. Über das neue Team wird im Juli 2021 entschieden.