Vis Moot – In diesem Jahr ganz anders

​​​​​​​Es macht mehr Spaß, sich persönlich mit anderen Studierenden zu messen als online - Das kann das diesjährige Vis-Moot Team der Universität des Saarlandes bestätigen.

Der Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot ist ein Wettbewerb für Jurastudierende aus der ganzen Welt. Der Wettbewerb zum UN-Kaufrecht und zur Schiedsgerichtsbarkeit dauert mehr als sechs Monate, in denen die Teilnehmer ausgezeichnete Recherchekenntnisse, Argumentationsfähigkeit, eine schnelle Auffassungsgabe und Teamfähigkeit unter Beweis stellen müssen. Auch beim 27. Vis Moot nimmt wieder ein siebenköpfiges Team der Universität des Saarlandes Teil. Die Masterstudierenden des Europa-Instituts Aurélie Brenneke (Frankreich), Pilar Clavel Nieto (Spanien), Sanika Kulkarni (Indien), Aygul Mammedova (Turkmenistan) sowie die Studierenden der Rechtswissenschaftlichen Fakultät Florian Zenner, Hagen Wagner und Jennifer Wassenberg haben zusammen mit ihren Coaches Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Helmut Rüssmann, Pieter Van Vaerenbergh, Ben Köhler, Eva Wingler und Anna-Marie Faymonville in den letzten Monaten alles unternommen, um sich auf das Abenteuer Moot Court vorzubereiten. Doch in diesem Jahr ist aufgrund der Corona-Krise alles anders.

Normalerweise ist der typische Ablauf des Wettbewerbs folgender: Von Oktober bis Februar werden juristische Schriftsätze geschrieben und ab Februar geht es dann in die mündliche Phase. Geschrieben werden zwei Schriftsätze - einer für den Kläger und einer für den Beklagten als Antwort auf einen Schriftsatz des Klägers von einem konkurrierenden Team. Die Studierenden stellen dabei ihre juristischen Kenntnisse und Fähigkeiten nicht nur durch die Anwendung des rechtlichen Rahmens unter Beweis, sondern auch durch die Suche nach den überzeugendsten Argumenten. Eine internationale Jury bewertet die Schriftsätze schließlich in Bezug auf rechtliche Argumentation, Stil und Präsentation. So weit, so gut.

Dann ging der Wettbewerb ab Februar in die mündliche Phase über. Die Argumente wurden in 15-minütigen Plädoyers vorgetragen. Um ihre Technik zu verbessern und die Argumente zu vertiefen, trat das saarländische Team bereits während sogenannter Pre-Moots gegen andere Teams deutscher, europäischer und internationaler Universitäten in Frankfurt, Köln, Stuttgart, Marburg, Erlangen, Zenica, London und Helsinki in juristischen Fakultäten und lokalen Kanzleien an, bis die diesjährige Pre-Moot Saison von den weltweiten Ereignissen und Einschränkungen der Covid-19-Krise überschattet wurde. So nahm die Pre-Moot Saison für alle Teams ein vorzeitiges Ende, da sie Anfang März erfahren mussten, dass die Finalrunde in Wien und damit jeder weitere Pre-Moot abgesagt wurde. Obwohl natürlich gute Gründe dagegen sprechen einen so großen Wettbewerb mit Studierenden, PraktikerInnen und SchiedsrichterInnen an einem Ort abzuhalten, war die Absage für alle „Mooties“ und Coaches bedauerlich, steckte doch so viel Arbeit und Herzblut in der Vorbereitung.

Einen Lichtblick gibt es dennoch:  Den Organisatoren ist es gelungen, Online-Plädoyers einzurichten, um den Wettbewerb weiterzuführen. Statt in Wien treffen sich die Teilnehmer nun online und da das Motto des saarländischen Teams lautet: „Let’s keep the spirit alive“, wurde alles technische Know-how darauf verwandt, dies möglich zu machen. Nun treffen sie die gegnerischen Teams zwar nicht mehr persönlich, aber bei simulierten Verhandlungen wenigstens online. Das Team der Universität des Saarlandes ist schon registriert und hat auch schon einige „Online-Pleadings“ durchgeführt.

Die Sprecher treten normalerweise in Zweierteams gegeneinander an. Das ist wegen der aktuellen Situation nun leider nicht mehr möglich, da jeder einzelne Sprecher über eine eigene Verbindung zugeschaltet wird. Dies macht zwar die Zusammenarbeit während einer Verhandlung schwieriger, jedoch reicht diese bei solch einem Wettbewerb viel weiter. Die Teammitglieder haben schon während der schriftliche Phase jede Woche stundenlang mit ihren Coaches diskutiert und an Argumenten gefeilt. Dieser Zusammenhalt wurde in der mündlichen Phase noch stärker, da jeder einzelne gefordert wurde und deshalb die Unterstützung und der Zusammenhalt des Teams unerlässlich war.

Für die teilnehmenden Teams aus der ganzen Welt ist die größte Schwierigkeit oftmals die Internetverbindung, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Die letzten Wochen haben jedoch gezeigt, dass es keine Hürde gibt, die das saarländische Team – und auch viele andere Teams – von einer Teilnahme am diesjährigen Wettbewerb abhält. Daher bleibt es spannend, wie die „General Rounds“ Anfang April vor den Bildschirmen ausgehen. Das Team der Universität des Saarlandes ist optimistisch und hat sich fest vorgenommen, den „Moot Spirit“ aufrecht zu erhalten und Kontakte mit Teams aus der ganzen Welt nun online aufrecht zu erhalten.

Teamwork makes the dream work!