Plötzlich alles online

Wie sich das Masterstudium am Europa-Institut für die Studierenden durch die Corona Pandemie verändert hat und was dadurch gerade am meisten fehlt - ein Bericht aus Sicht einer Studierenden

Das gesamte Sommersemester 2020 im Masterstudium Europäisches und Internationales Recht LL.M. findet seit April in digitaler Form statt: Das betrifft Vorlesungen, Gruppenarbeiten und Prüfungen. Niemand hat damit gerechnet – weder die Studierenden, die DozentInnen, noch das Team des Europa-Instituts. Covid-19 traf alle unvorbereitet, für viele ein Schock.

Wer hätte gedacht, dass während draußen die Sonne scheint und der Sommer in Saarbrücken auf dem Vormarsch ist, ein Teil der Studierenden des internationalen Masterstudiengangs in ihre Heimatländer zurückgekehrt ist, um, genau wie die Studierenden, die in Saarbrücken geblieben sind, regelmäßig aus den privaten Räumen Online-Meetings beizutreten.

Zu Beginn des Semesters war in einer E-Mail der Geschäftsführung zu lesen, dass das Einzige was die Studierenden für ihr Online-Studium nun brauchen Ruhe, Strom und eine stabile Internetverbindung sind.

In den Bewerbungsmaterialien für einen Masterstudiengang am Europa-Institut sind alle notwendigen Informationen enthalten, jedoch kann nicht die Atmosphäre beschrieben werden, die entsteht, wenn fast 100 junge Menschen aus der ganzen Welt nach Saarbrücken kommen, um dort gemeinsam zu studieren, wenn internationale Freundschaften entstehen, wenn von den Erfahrungen anderer Kulturen gelernt und dadurch die eigene Persönlichkeit geformt wird.

Mittlerweile ist der Stundenplan mit Veranstaltungen genauso gefüllt wie noch zu „Vor-Corona-Zeiten“, nun eben in Form von aufgezeichneten Vorlesungen oder Live-Chats. Reine Lehrinhalte lassen sich online wunderbar vermitteln, abgesehen von kleinen technischen Irritationen bei manch einer Internetverbindung.

Doch nicht alle Komponenten einer gelungenen Vorlesung lassen sich digital übertragen – und das sind der Dialog und gemeinsame Projekte. Bestehendes verstehen, Zusammenhänge neu denken, eigene Ideen einbringen – ein Studium lebt vom Austausch der DozentInnen mit den Studierenden, vom ausgiebigen Fragenstellen, von Kreativität, Lebendigkeit und Begeisterung.

Während sich aufgezeichnete Vorlesungen online nun vor- und zurückspulen lassen, fehlt der Duft der verbrauchten Luft, die aus dem oberen Hörsaal des Europa-Instituts strömt, wenn sich nach mehreren Stunden Konzentration unvermittelt die blauen Türen öffnen und ein buntes Stimmengewirr der unterschiedlichsten Sprachen die vorherige Stille übertönt.

Es sind das gemeinsame Erleben, Erzählen und Arbeiten der Studierenden, welches die Räume des Europa-Instituts füllt und beseelt. Sich spontan vor dem Kaffeeautomaten im Untergeschoss treffen, Gedankengänge noch auf der Rückfahrt im Bus vertiefen oder sich früh morgens am Saarbrücker Busbahnhof für eine Exkursion zu versammeln - gelebte Gemeinschaft während des Studiums ist eine unvergessliche Erfahrung und große Motivation.

Natürlich ergeben sich durch die digitale Form des Studiums neue Möglichkeiten - täglich fällt zum Beispiel die Zeit des Pendelns von Zuhause zum Uni-Campus weg und die Einteilung des Lernens lässt sich individueller gestalten. Doch dies sind nur Randaspekte, denn die geteilten Momente fehlen. An der Bushaltestelle des Uni-Campus wurden Abstandspunkte am Boden eingerichtet und seit kurzem hängt dort ein Plakat mit der Aufschrift „Getrennt und doch verbunden“.

Digitale Kommunikationswege helfen, diese Zeit zu überbrücken. Soziale Kontakte lassen sich dennoch nur „draußen“ wirklich leben und die ersten Treffen in kleinen Gruppen, die seit kurzem wieder möglich sind, tun sehr gut. Bekannten Gesichtern während eines Getränks im Café beim Sprechen direkt in die Augen zu schauen, Meinungen auszutauschen und Pläne zu schmieden – das Gefühl nicht allein zu sein, macht Mut.

Das Study Program Team des Europa-Instituts gab sich von Beginn an sehr viel Mühe, die Studierenden bei dieser Herausforderung zu unterstützen. Kontinuierlich wurden Informationen zum aktuellen Stand der Situation versendet, Einführungen zu neuen Lernplattformen fanden statt und es wurden Online-Sprechstunden und Coffee Meetings eingerichtet, um weiter persönlichen Kontakt aufrechtzuerhalten.

Alles in allem wird auch während Covid-19 ein hochwertiger Masterstudiengang (LL.M.) geboten und es bleibt zu wünschen, dass in Zukunft wieder mehr Gemeinschaft in den Räumen des Europa-Instituts gelebt werden kann.

Bericht von Antonia Witt, Teilnehmerin des Studienjahrgangs 2019/2020